Ich mag ja moderne Sachen. Immer ewig dasselbe zu machen, weil es ja auch bisher immer gereicht hat, wird irgendwann doch schlicht langweilig. Nun gut, es ist schon bequem, und ich bin ja auch faul, insofern würde das eigentlich ganz gut passen. Doch lehrte mich einst, schon vor Äonen, ein großer kreativer Lehrmeister seine Gesänge und rhythmischen Hymnen, und seine Lehre war ein Statement gegen die Allmacht der Entropie, was leider mal in Quasi-Hörsturz endete - aber man war jung, die Szene im Ruhrgebiet brummte, und ganz allgemein war's das auch wert:

**<<< Forwards forever, backwards never. >>>**

Soviel zur wilden Techno-, Rave- und Jungle-Anhängerschaftsvergangenheit.

Ich mag aber auch alte Sachen. Bei Stereoanlagen, zum Beispiel. Mir kommt nichts in's Haus, was seit den 1990ern so ausgeheckt wurde. Fürchterlich häßliches Zeug, und selbstverständlich war früher sowieso alles besser. Nein, natürlich nicht. Aber früher waren ein paar Sachen einfach gut. VU-Meter, zum Beispiel. Warum gibt's die heute nicht mehr? Gut, die bringen vielleicht funktional nicht viel - aber schön sind sie. Oder diese in satten Farben das Wohnzimmer illuminierenden Fluoreszenzanzeigen, wie ich sie das erste Mal als kleiner Jaust beim Technics-Tapedeck meines Opas bewusst wahrgenommen habe?

Oooder! Ganz wichtig: Das! Zerwelaaat! Wie im Folgenden durch einen Ruhrpottheimatseelenverwandten ganz wunderklar auf den Punkt gemotzt. Ich möchte schon vorab mit äußerstem Nachdruck auf die Nennung und Verwendung von herzkranzgefäßblockierenden Mengen von Gutebutter verweisen! Datt iss wichtich:

Eine andere, gänzlich antielektronische und analoge, alte Sache, die in einer Ecke meines Chaotenablageregals ungestört vor sich hinschlummert: Kreide.

Total bekloppt, Kreide zu kaufen, wenn man noch nicht einmal eine Tafel hat, aber nachdem ich "damals" über folgende Story gestolpert bin, konnte ich nicht anders:

Auf Ebay fand sich ein Paket noch aus der originalen japanischen Herstellung, der Preis war angemessen, die folgende Entscheidung total irrational, natürlich.

Zuerst dachte ich an den Kauf einer Tafel, aber dafür ist dieses Stück perfektionierter Handwerkskunst dann doch zu schade. Apropos: Irgendwo las ich die Behauptung "diese Kreide bricht nicht durch". Glatt gelogen. Natürlich bricht die. Ich hab's ausprobiert. Dass sie hingegen beim Schreiben an der Tafel nicht einfach durchbricht (so wie diese eklige Billigpampenkreide aus der Schule), das glaube ich sofort. Vor allem hat man selber keine Kreide an den Fingern, weil man schlauerweise ein Ende mit Wachs beschichtet hat.

Vielleicht kann man, also ich, diese Kreide ja mal zu besonderen Anlässen benutzen. Abschiedsvorträge großartiger Wissenschaftler zum Beispiel. Ich werde nur leider nie zu solchen Anlässen eingeladen, und den von Richard Phillips "Dick" Feynman (EN, DE) habe ich wohl leider verpasst. Wer den nicht so richtig kennt und wissen möchte, warum der Typ mein Idol ist, dem sei folgendes Werk an's Herz gelegt:

Surely You're Joking, Mr. Feynman!

Das war's für heute! Es ist schönes Wetter draussen, und ich habe vor auf gar keinen Fall rauszugehen! ;-)