Was ist viel lustiger als Maschinen etwas lernen zu lassen? Genau, Maschinen die Lehre schwänzen zu lassen. Wenn die Menschheit schon in der Singularität die Fähigkeit verlieren soll sich ohne die Unterstützung maschineller Agentensysteme und vorlauter Chatbots die Suppe eigenmächtig in den Mund zu löffeln, dann sollen unsere zukünftigen Siliziumkumpels doch wenigstens während ihrer Ausbildungsphase die Freuden des organisierten Ungehorsams kennen- und ausübenlernen um am Ende der tiefverwurzelten menschlichen Prokrastinationskultur doch wenigstens ein wenig Empathie entgegenbringen zu können. Ich mag Bandwurmsätze. Und darum...

..."Versatiles Commodore Emulieren" sowie "Unbenutzbare Freundin Emulatorin"!

(warum eigentlich "unbenutzbar"...? Aahyoo deschalb ;-)
Wer jetzt noch nicht weiß, dass ich gerne mal semantisch übertreibe, der sollte es aber spätestens jetzt geschnallt haben. Und weil Spielen schon seit jeher mehr Spass macht als schnöde-sprödes Lernen und Spielen sowieso nur die kurzweiligere und zu bevorzugende Variante darstellt etwas Tolles zu lernen, erkläre hiermit das Spielen zum Lernen und umgekehrt! Damit habe ich auch schon sehr elegant die Rechtfertigung fundamentiert mich anstatt dem Hineingraben in die Themen Data Cleansing, Imputation, Klassenbalancieren undsoweiter einfach mal der Kompilation eines Commodore C64- sowie eines Amiga-Emulators zu widmen.

Meine erste Liebe: ein Brotkasten.

Ich hab es eigentlich nicht so mit der Liebe zu unbelebten Objekten. Außer meiner ersten Stereoanlage. Und meinem ersten Fahrrad, der Betty. Und meinem zweiten Fahrrad, der Nelly. Und meiner ersten Freundin kurz vorm Abi. Ach nee, moment, hach, vertan...die hat damals, mangels Existenz von Mobiltelefonen und SMS, einfach per CB-Funk (war damals irgendwann mal kurz hip bei den coolen Kids) mit mir Schluss gemacht. Während das halbe Dorf wahrscheinlich mitgelauscht hat. Danach wurde, glaube ich, dann auch ein neuer Funkercode eingeführt:
"Diddlmausi an Fuchspfötchen, Diddlmausi an Fuchspfötchen. Meinst Du nicht auch wir sollten mal Elfhundertsiebenunddreissig? Roger und out." *kcchhhk*
Und Fuchspfötchen dann so:
(......äh was......?)

Ja, genau! Ganz genau! Du bist gemeint, Du wirst es schon wissen wenn Du das hier liest! Spass beiseite. Wir waren alle noch jung und unüberlegt und im Grunde allesamt, mich inklusive, minderjährige Wi......Ar......Hackfr......Nervensägen. Ja, Nervensägen. Bleiben wir dabei. Immerhin kommen lustige Anekdoten dabei heraus die ich meinen Kindern und Enkeln mal.....ach mannomann neeeeeeeeee ist das traurig.

Meine zweite Liebe: ein etwas größerer scharfkantigerer Brotkasten.

Geeeenau. Meine erste "Freundin", und das ist noch nicht mal gelogen! Die hatte ich übrigens schon bevor ich per Funk abgesägt wurde. Und in Folge dann sogar gleeeiiichzeitig, jawohl! Ach, egal.

Zurück in die Gegenwart.

Jedenfalls, weil ich ja jetzt einen gnadenlos überzogenen MedienCenter-PC mein eigen nenne, kam mir der Gedanke "Jetzt kann ich endlich performant meine alten Kisten emulieren und in Spieleerinnerungen schwelgen!".

Pu-ste-ku-chen. Oder auch: "Great Scott...!". (na gut, hierbüddeschön)

Also, in positiver Hinsicht. Ich habe doch so einiges an Performance-Entwicklung im privaten Sektor der letzten Jahren verpasst, wie es scheint. Hier mal ein Blick auf "htop" während die MLBoxx sich mit dem C64-Emulator quält:

Nix! Gar nichts quält sich da! Noch nicht mal ein Kern ist halbwegs ausgelastet. Frechheit, Skandal, Sodom und auch noch Gomorrha!

Soviel dazu. Die initiale Installation von VICE war jedenfalls piepeinfach, ganz schlicht per
aptitude install vice
Dummerweise hatte dieses Vice-Binary (welches übrigens "x64" heißt und nicht etwa "c64", nein, denn das wäre ja einfach) die unschöne Angewohnheit selbst bei Fullscreen den C64 nur briefmarkengross in der Fernsehermitte zu präsentieren. Nichts mit "scaling". Und das in Zeiten von 2016, OpenGL, Vulkan, CUDA, Wayland, und wie sie nicht alle heissen.

Ein wenig Zeiteinsatz mit Google erbrachte dann die eher unschöne Lösung wenn man auf stufenloses Scaling aus ist:
Selbstkompilieren und dabei für die Benutzung von "SDL" konfigurieren.

Die passenden Flags durfte ich mir auch aus mehreren Artikeln und Forenposts zusammensuchen, und daher für alle die so faul sind wie ich:
:> aptitude install libsdl2-2.0-0 libsdl2-dev libsdl-dev
:> ./configure --disable-ffmpeg --enable-sdlui --with-xaw3d
:> make
:> make install
:> download WinVICE, extract, copy ROMs etc to ~/.vice
Hinter dem letzten Schritt versteckt sich, dass die ROMs und der "KERNAL" für C64 sowie die verschiedenen Floppys sich nur in der Windows-Binary-Distribution von VICE finden und so man muss sie leider manuell auspacken und an die richtige Stelle verschieben. Sei's drum, das ist Killefitz.

Success!

Nur so, aus der Hüfte geschossen: hat geklappt. VICE läuft in Fullscreen, schön skaliert (leider nicht ganz 4:3, aber damit kann ich leben) und noch dazu mit wunderschön nostalgischer CRT-Monitor-Simulation:

Tally-ho! Ziel erwischt. Jetzt noch Zähne putzen, Pipi machen, ab in's Bett.